Lily Herking - (Marie Luise Klein)
Letztes Update: 18.03.2011
* 11.09.1881 Elberfeld
+ 25.1.1922 in Dessau

war eine bekannte Dessauer Kammersängerin (Altistin).

Ab 1. Oktober 1910 war sie am Herzoglichen Hoftheater in Dessau engagiert. Lily Herking wurde im Oktober 1915 zur Hofopernsängerin und am 12. April 1919 zur Kammersängerin ernannt.
Sie kam beim schrecklichen Brand des Dessauer Theaters am 25.1.1922 ums Leben. Dieser Brand ist der Dessauer Bevölkerung im Gedächtnis geblieben. Heute ist ein Platz, direkt neben dem Alten Theater, nach ihr benannt.
Lily Herking war die Mutter der Schauspielerein und Kabarettistin Ursula Herking.

Ihr Ehemann Willy Klein, war ein bekannter Dessauer Schauspieler.

Berichte über den Brand des Friedrichtheaters 1922
„Die erste Nachricht, die uns wenige Minuten nach Ausbruch des Feuers erreichte, wusste zu melden, dass das Kammerspielhaus brenne. Aber die sofort zur Unglücksstätte Eilenden sahen die großen Rauchschwaden aus dem Bühnenhaus des Friedrich-Theaters herausquellen, und zwar in Massen, die beängstigend wirkten. Der Durchgang zwischen Theater und Kammerspielhaus war in seiner ganzen Länge verqualmt, und einzelne Neugierige, die von der Wallstraße her vorgedrungen waren, vermochten nur mit Mühe die Kavalierstraße zu erreichen.

Sehr bald sammelte sich vor dem Theater eine Menschenmenge an, die sich in kurzer Zeit auf Tausende vermehrte. Erst allmählich konnte man daran denken, eine Absperrung vorzunehmen, die die Strecke von der Fürstenstraße (heute Friedrich-Naumann-Straße) bis zur Post einbezog. Bald war die Feuerwehr zur Stelle. Ihre Aufgabe war es zunächst, die gefährdeten Menschenleben in Sicherheit zu bringen, und sie konnte hier das Werk fortsetzen, das einzelne tapfere Angestellte des Theaters schon begonnen hatten. Alsbald kam die später leider als unrichtig festgestellte Nachricht, dass Menschen nicht mehr im Theater seien.

Die Feuerwehr begann ihre Lösch arbeit während schon die Feuergarben vorn an der Kavalierstraße zum Dach herauszuckten und einzelne Flammen über die Straße hinweg, über Palais und Gymnasium getragen wurden. Die Automobilspritze trat in Tätigkeit, aber die Kälte war derart, dass der erste Schlauch, der die Wasserstrahlen in die Höhe tragen sollte, sofort platzte. Auch die Schwierigkeiten der Wasserentnahme waren nicht unerheblich; die Schlauchleitungen mussten auf stattliche Entfernungen angelegt werden. Allmählich rückten die Fabrikwehren und eine Magdeburger Spritze heran, die im Sonderzug herbeigeeilt war. um die Dessauer zu unterstützen.
Die beiden Nachbarhäuser zur Linken und zur Rechten in der Kavalierstraße schienen stark gefährdet. Namentlich für das Sonnenthalsche Grundstück (Kavalierstraße 26) musste man das Schlimmste befürchten, und zeitweise schien es, als züngelten die Flammen bereits zum Dach heraus. Die Geschäftslokale in beiden Häusern wurden geschlossen, und man begann die Wohnungen auszuräumen und das Mobiliar in Sicherheit zu bringen. Es gelang indessen der Feuerwehr, den Brand auf den Herd zu beschränken und die Nachbarhäuser außer Gefahr zu setzen. Vom Dache des Fridericianums blickten zahlreiche Leute auf das grausige Schauspiel, das sich ihren Augen darbot; ebenso hatte sich auf dem Dache der Handelsrealschule eine große Menge von Zuschauern versammelt. Bis in den späten Nachmittag hinein standen auf der Kavalierstraße und in der Wallstraße dichte Menschenmassen, und einmütig war überall die Trauer um den furchtbaren Verlust, der Dessau getroffen hat.

Frau Herkings Tod
Schon in den ersten Nachmittagsstunden liefen Gerüchte um, dass die Kammersängerin Frau Herking vermisst werde, ebenso ein Feuerwehrmann und ein junger Friseur (Ernst Kirkam, auch er wurde später tot geborgen). Anfragen im Josephs-Krankenhause und bei der Polizei ergaben, dass in der Tat von Frau Herking keine Spur vorhanden sei. Während andere Gerüchte wissen wollten, die Künstlerin sei gerettet worden. Bald ergab sich indessen die traurige Gewissheit, dass Frau Herking das Opfer der Flammen geworden war. Sie weilte in dem Augenblick, da der Brand ausbrach, im Zimmer des Direktors Meyer in der 2. Etage. Herr Meyer riss, als man von unten her Lärm hörte, die Tür auf und sah die Flammen. Er forderte Frau Herking auf, sofort nachzukommen und eilte die Treppe hinauf, konnte aber nicht mehr zu Frau Herking zurückkehren, weil ihn eine Stichflamme gefasst hatte. Frau Herking war dann auf der eisernen Treppe, die in die dritte Etage führt, niedergefallen und dort bewusstlos geworden. Der Inquisiteninspizient Streller hörte erst, als er im Krankenhause verbunden wurde, dass Frau Herking vermisst werde, und eilte nun sofort zur Brandstätte zurück, um die Stelle zu bezeichnen, an der Frau Herking liegen müsse. Der Tischler Mohs, der die Räume genau kannte, stieg ins Haus und barg die vollkommen verkohlte Leiche der Künstlerin, deren Tod um so beklagenswerter ist, als sie neben dem Gatten, der als Regisseur am Nationaltheater in Weimar wirkt, ein 12jähriges Töchterchen hinterlässt (die später bekannte Schauspielerin Ursula Herking).

 
Lily Herking
 
FriedrichTheater, abgebrannt am 25.01.1922 - Lily Herking
 
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